Das FG Nie­der­sach­sen bestä­tigt die stren­ge Dog­ma­tik – prak­ti­sche Hin­wei­se für Unter­neh­men

Aus­gangs­punkt: Was pas­siert beim Tod eines Gesell­schaf­ters?

Ver­lus­te einer Per­so­nen­ge­sell­schaft (z.B. KG, OHG) wer­den regel­mä­ßig antei­lig den Mit­un­ter­neh­mern zuge­ord­net und kön­nen grund­sätz­lich mit zukünf­ti­gen Gewin­nen ver­rech­net wer­den. Doch beim Tod eines Gesell­schaf­ters ent­steht oft die Fra­ge, ob der ent­spre­chen­de Anteil am gewer­be­steu­er­li­chen Ver­lust­vor­trag auf die Erben über­geht – etwa, wenn Ehe­part­ner oder Kin­der Nach­fol­ger wer­den. Gera­de für mit­tel­stän­di­sche Gesell­schaf­ten mit fami­liä­rer Prä­gung ist dies von gro­ßer prak­ti­scher Rele­vanz.

Kla­re Linie des FG Nie­der­sach­sen

Mit Urteil vom 4. Juli 2024 (9 K 309/21) hat das FG Nie­der­sach­sen die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung bestä­tigt: Stirbt ein Mit­un­ter­neh­mer, wird der auf ihn ent­fal­len­de Gewer­be­ver­lust­an­teil nicht auf die Erben „ver­erbt“, son­dern geht steu­er­lich unter. Maß­geb­lich für die Aner­ken­nung des Vor­trags ist allein die per­sön­li­che Iden­ti­tät – Nicht der Anteil, son­dern der jewei­li­ge Gesell­schaf­ter als natür­li­che Per­son ist ent­schei­dend. Die Nach­fol­ge im Unter­neh­men, auch im Wege der Erb­fol­ge, bewirkt damit kei­nen Fort­be­stand der Ver­lust­nut­zungs­mög­lich­keit

Kein Aus­weg durch Zweck­aus­le­gung oder kör­per­schaft­steu­er­li­che Vor­schrif­ten

Das Gericht erteil­te sowohl einer „teleo­lo­gi­schen Reduk­ti­on“ als auch der Beru­fung auf kör­per­schaft­steu­er­li­che Ver­lust­nut­zungs­re­geln eine Absa­ge. Weder die Sinn- und Zweck­aus­le­gung, noch ein Ver­weis auf ent­spre­chen­de Aus­nah­me­re­ge­lun­gen für Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten wie § 8c oder § 8d KStG füh­ren zu einem ande­ren Ergeb­nis. Die­se Vor­schrif­ten sind aus­drück­lich auf Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten zuge­schnit­ten und fin­den auf Per­so­nen­ge­sell­schaf­ten kei­ne Anwen­dung. Für ein Abwei­chen fehlt – nach Ansicht des Gerichts – zudem eine aus­rei­chen­de recht­li­che Ver­gleich­bar­keit und eine plan­wid­ri­ge Geset­zes­lü­cke

Was heißt das für die Pra­xis?

  • Gewer­be­ver­lus­te sind per­so­nen­ge­bun­den und gehen beim Tod des Gesell­schaf­ters ver­lo­ren.
  • Eine Ver­lust­ver­rech­nung durch Erben für „geerb­te“ Antei­le ist nach aktu­el­ler Rechts­la­ge aus­ge­schlos­sen.
  • Mit­tel­stän­di­sche Gesell­schaf­ten soll­ten dies in der Nach­fol­ge- und Über­ga­be­pla­nung stets berück­sich­ti­gen und früh­zei­tig han­deln.
  • Gestal­tun­gen zur Nut­zung offe­ner Ver­lus­te müs­sen unter Umstän­den schon zu Leb­zei­ten des Gesell­schaf­ters erfol­gen.
  • Das FG Nie­der­sach­sen hat die Revi­si­on zuge­las­sen. Ob der BFH eine Ände­rung bringt, ist mit Blick auf die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung jedoch wenig wahr­schein­lich.

Fazit: Pla­nung ist ent­schei­dend

Die Recht­spre­chung ver­langt eine vor­aus­schau­en­de Pla­nung – offe­ne Ver­lus­te soll­ten im Vor­feld eines Gene­ra­ti­ons­wech­sels gezielt betrach­tet wer­den. Ein spä­te­rer Über­trag auf Erben oder Nach­fol­ger ist nach der­zei­ti­gem Stand aus­ge­schlos­sen. Bei Fra­gen zur Nach­fol­ge­pla­nung, Ver­lust­ver­rech­nung und Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten emp­fiehlt es sich, früh­zei­tig fach­kun­di­gen Rat ein­zu­ho­len.

Sie haben Fra­gen zum Weg­fall des gewer­be­steu­er­li­chen Ver­lust­vor­trags beim Tod eines Mit­un­ter­neh­mers oder zu Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten? Spre­chen Sie uns an!
Soll­ten Sie im Hin­blick auf die­se vor­ste­hen­de Aus­füh­run­gen Fra­gen haben, mel­den Sie sich ger­ne bei unse­rem Rechts­an­walt Herrn Chris­toph Schmitz-Schun­ken über unse­re Mit­ar­bei­te­rin Frau Yal­cin per E‑Mail an yalcin@dhk-law.com oder unter der Tele­fon­num­mer 0241 946210.

News­let­ter-Anmel­dung

Ja, ich habe die Daten­schutz­er­klä­rung zur Kennt­nis genom­men und bin mit Absen­den des Kon­takt­for­mu­la­res mit der elek­tro­ni­schen Ver­ar­bei­tung und Spei­che­rung mei­ner Daten ein­ver­stan­den. Mei­ne Daten wer­den dabei nur streng zweck­ge­bun­den zur Bear­bei­tung und Beant­wor­tung mei­ner Anfra­ge benutzt.

Über den Autor

  • Christoph Schmitz-Schunken

    Chris­toph Schmitz-Schun­ken ist zuge­las­se­ner Rechts­an­walt seit 2005, Steu­er­be­ra­ter, Fach­an­walt für Han­dels- und Gesell­schafts­recht, Fach­an­walt für Steu­er­recht, zert. Bera­ter Steu­er­straf­recht (DAA) und Mit­glied im Vor­stand der Rechts­an­walts­kam­mer Köln.

    Zum Anwalts­pro­fil